Kommentar: Politische Uneinigkeit zwingt HFV zur richtigen Entscheidung

Die Idee, bis Mitte Februar mit der Saison zu beginnen, kann man nur weltfremd nennen.

Was viele Beobachter gefürchtet haben, ist am gestrigen Abend nun eingetreten: der Hamburger Fußball-Verband unterbricht die laufende Saison. Dies gab der HFV in einer Pressemitteilung bekannt. Ein Kommentar dazu von unserem Redakteur Christian Kalaß.

Die richtige Entscheidung

Gestern Nachmittag unterhielt ich mich in der Halbzeitpause zwischen Union Tornesch und dem SC Victoria mit „Vicky“-Pressesprecher Mathias Reß. Wir waren uns einig: dass die Saison bis zur Winterpause durchgezogen wird, glaubten wir beide nicht wirklich. Dass die Saisonunterbrechung am schon am Sonntagabend kommen würde, damit war nun nicht zu rechnen. Und doch: der HFV hat die richtige Entscheidung getroffen. Man kann, darf, ja vielleicht muss die Entscheidungen des HFV in den letzten Monaten hinterfragen. Und salomonisch formuliert hat der Verband nicht immer eine gute Figur gemacht. Doch die Saisonunterbrechung ist allein aus Fairness-Gründen unumgänglich. Ich erinnere mich ziemlich genau an ein Gespräch mit Rugenbergens Coach Michael Fischer, welcher sinngemäß meinte: „In Kleingruppen zu trainieren ist schön und gut, aber dann mit 22 Mann auf dem ganzen Platz zu spielen doch etwas ganz anderes.“ Und so muss man das sehen: natürlich hätten -in der Oberliga- Union Tornesch und der SV Rugenbergen weiter trainieren können, wahrscheinlich hätte man mit Heimrechttausch Zeit erkaufen können. Doch ist das fair? Sicherlich nicht. Für Tornesch mag es, die „Eisernen“ mögen es mir verzeihen, nach dem verpatzten Saisonstart relativ egal gewesen sein, doch Rugenbergen darf sich durchaus Hoffnungen auf die Top acht machen. Von daher wäre das Kleingruppentraining und eventuelle Auswärtsspiele definitiv ein Nachteil gewesen. In den Ligen drunter sieht das Bild sicherlich genauso aus. Von daher: Jepp, lieber HFV, das habt ihr richtig gemacht!

Liebe Politiker, einigt euch

Ob der HFV einem Aussetzen des (Hamburger-) Sportbetriebs durch die Politik zuvor kommt, sei dahingestellt. Und ob das Infektionsgeschehen überhaupt einen Spielbetrieb zulässt, soll auch jeder für sich entscheiden. Allerdings hab ich noch keinen Fall gehört, dass ein Spieler sich bei einem Spiel oder Training infiziert hat – und vor allem, dass Amateurfußballspiele ein „Hotspot“ für die Übertragung waren. Oder ich hab das verpasst, mag auch alles sein.. Wie auch immer: es ist aber enorm anstrengend, dass weiterhin jede Landesregierung ihr eigenes Süppchen kocht. Hamburg lässt Amateursport (noch) zu, Schleswig-Holstein unterbindet diesen ab einem Inzidenzwert von 50 oder belegt ihn ab einem Wert von 35 mit Auflagen. Was im Nachbarverband für Chaos und Unmut sorgt, bringt das sportliche Geschehen auf Hamburgs Fußballplätzen zum Erliegen. Schönen Dank auch! Kann man sich nicht einmal in dieser gottverdammten Pandemie einig sein? Muss jeder in den Extremen (sei es bei Verschärfungen oder wie im Frühsommer bei Lockerungen) immer den Anderen übertreffen? Da sollten sich die Herren Landespolitiker mal Gedanken machen und sich einigen. Um einen Arbeitskollegen von mir zu zitieren: „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln und jeder so wie er will, ist ganz schöner Mist.“ Zumal: der Virus wird sich in Hamburg nicht anders verhalten als in Schleswig-Holstein.

Was mir übrigens dabei wichtig: dieser nervige Virus ist gefährlich und ihn auf die leichte Schulter nehmen, ist eine ganz schlechte Idee. Doch etwas mehr Augenmaß und vor allem gleiche Maßnahmenkataloge für alle, wären doch mal etwas tolles.