Hamburg vor dem Restart: Vorschau vierter Teil

Nach dem Schicksalsschlag zu Weihnachten wollen der ETSV und Trainer Jan-Philipp Rose in der Rückrunde den Titel - auch für ihren Kapitän. (Foto: Lobeca/Seidel)
Nach dem Schicksalsschlag zu Weihnachten wollen der ETSV und Trainer Jan-Philipp Rose in der Rückrunde den Titel - auch für ihren Kapitän. (Foto: Lobeca/Seidel)

Am Wochenende soll die Oberliga Hamburg nach dem Willen des Hamburger Fußballverbandes in das neue Jahr starten. Drei Wochen später als ursprünglich geplant, sollte es doch eigentlich am 31. Januar losgehen. Doch Wetter und Temperaturen ließen keinen geregelten Trainings- oder Spielbetrieb zu, so dass man sich frühzeitig entschloss den Start zu schieben. Und die Wetterlage hat auch am letzten Wochenende den Start nicht zugelassen. Nun soll es am kommenden Wochenende aber losgehen – Zeit für uns, auf die Top vier der ersten Saisonhälfte zu blicken. Wie war die Performance? Was hat sich getan?

Platz 4: SC Victoria

„Vicky“ blieb auch zum Jahresabschluss 2025 oben dabei und ist weiter die positive Überraschung der Saison. Platz vier und der Einzug ins Viertelfinale des Pokals zeugen davon, dass an der Hoheluft nach Jahren der sportlichen Tristesse positiv und vor allem in Ruhe gearbeitet wird. Beleg dafür: die größte Story des Winters beim SC Victoria war das Training in einer Lagerhalle, das medial die Runde machte. Wenn die Medien darüber (vor allem mit positiver Konnotation) berichten, weißt du als Verein, dass bei euch absolute Ruhe herrscht. Entsprechend will der SC Victoria die positive Stimmung mitnehmen und den Trend fortsetzen.. Die Vorbereitung an der Hoheluft kann sich durchaus sehen lassen: Einer knappen Niederlage gegen den Regionalliga-Aspiranten SV Todesfelde (0:1) stehen vier Siege und zwei Remis (darunter ein 2:2 gegen den HSV II) gegenüber. Die Generalproben gegen Buchholz (5:0) und Rotenhof (Oberliga SH/4:1) waren vom Ergebnis sehr gut, so dass der Start in die zweite Saisonhälfte kommen kann. Der wird aus „Vicky“-Sicht nicht einfach: man beginnt zu Hause gegen Sasel, ehe es dann auswärts zu Billstedt (sowohl in Liga wie auch im Pokal) und zu Harksheide geht. Im Kader gibt es zwei Abgänge und zwei Zugänge zu vermelden. Yacouba Diarrassouba und Christian Kalenga gehören nach einem halben Jahr nicht mehr dem Kader an. Neu dabei sind Michael Gries (zuletzt Billstedt) und Rückkehrer Charles Kouakou (SV Eichede).

Der SC Victoria kann mt Trainer Sascha Bernhardt ganz entspannt in die Rückrunde gehen. (Foto: Niklas Runne)
Der SC Victoria kann mt Trainer Sascha Bernhardt ganz entspannt in die Rückrunde gehen. (Foto: Niklas Runne)

Platz 3: TuS Dassendorf

Ausgerechnet beim Vizemeister war in der Winterpause die größte Unruhe und die größte Bewegung zu spüren. Die sportliche Leitung hat komplett gewechselt, sowohl Jan Schönteich wie auch Alex Knull sind nicht mehr dabei. Der neue starke Mann heißt Hakan Karadiken und der hat auch gleich einen neuen Trainer mitgebracht – Oliver Zapel übernimmt ab Sommer für Özden Kocadal. Ob Letzterer überhaupt bis Sommer bleibt, darf zumindest bezweifelt werden. Vor allem, wenn der sportliche Start ins neue Jahr missglücken sollte. Beim Kader hat die TuS ordentlich nachgelegt, gleich neun neue Spieler hat Karadiken für Dassendorf verpflichtet. Dabei ist keiner gegangen, so dass der Kader offiziell auf 38 (!) Spieler aufgebläht ist. Die Neuzugänge sind vielfältig – größter Name ist natürlich Ex-Nationalspieler Max Kruse (BSV Dersim II), doch auch Yannik Nuxoll (zuletzt Eintracht Norderstedt) sowie Futsal-Nationalspieler Max Grünberg (zuletzt Oststeinbeker SV) sind im Hamburger Fußball bekannte Namen. Weitere Neuzugänge sind HT-Torjäger Karim Ay, die jungen Torhüter Selcuk Rinal (FC St. Pauli II) und Kalle Plöchinger (TSV Pansdorf U19), Nathaniel Kukanda (FC Dornbirn, ehemals St. Pauli Nachwuchs), Ex-Concorde Enock Hartwig (Phönix Lübeck II) und Rückkehrer Maximilian Dittrich (Concordia). Die Vorbereitung lief aus Dassendorfer Sicht holprig- Zwei Niederlagen gegen die U23 des FC St. Pauli (1:3) und gegen den SV Drochtersen/Assel (0:7) sowie ein Sieg in der Generalprobe gegen Mecklenburg Schwerin (4:1) stehen bei „Dasse“ in den Büchern. Der Start ins neue Jahr könnte schwieriger aus TuS-Sicht schwieriger sein. Zwar geht es am Sonntag zum USC Paloma, danach folgen aber Duelle mit den Abstiegskandidaten Halstenbek, Buchholz und Türkiye. Danach dürfte man wissen, wohin die Reise von TuS Dassendorf geht – und mit welchem Trainer.

Mit neuen Voraussetzungen geht Özden Kocadal in die Rückrunde mit TuS Dassendorf. (Foto: Lobeca/Homburg)
Mit neuen Voraussetzungen geht Özden Kocadal in die Rückrunde mit TuS Dassendorf. (Foto: Lobeca/Homburg)

Platz 2: Eimsbütteler TV

Das Murmeltier scheint am Lokstedter Steindamm einzuziehen: wie im Vorjahr verliert der Eimsbütteler TV seinen Toptorjäger zur Winterpause. Merlin Sinanovic hat nach 22 Treffern in 20 Spielen den ETV verlassen und sich Hannover 96 II angeschlossen. Dazu geht auch Josh Görtzen in die Regionalliga, kickt nun für Eintracht Norderstedt. Ebenso nicht mehr dabei sind Derrick Duah (Billstedt) und Andre Fricke (Fußball-Pause). Neu im Team sind die jungen Offensivakteure Bilal Damala (zuletzt RB Leipzig U19) und Toralf Hense (FC St. Pauli II). Im Vorjahr brauchte der ETV dann ein paar Spiele, um gerade den Torjägerabgang (damals Piet Scobel) zu verkraften, verspielte so frühzeitig die Meisterschaft. Zwar ist jetzt schon der Rückstand etwas größer als 2025 (aktuell zwei Punkte bei zwei mehr absolvierten Spielen als der ETSV), doch einen Fehlstart wird die Mannschaft von Can Schultz tunlichst vermeiden wollen. In der Vorbereitung trat Eimsbüttel gut auf, verlor nur eines von sechs Spielen (1:5 gegen den HSV II), landete einen Achtungserfolg gegen Eintracht Rheine (Oberliga Westfalen/0:0) und gewann drei Spiele. Die Generalprobe gegen den TSV Sasel konnte der ETV mit 3:2 knapp für sich entscheiden. Der Auftakt ins Jahr könnte aber schwierig werden: erst muss der ETV zu Süderelbe, dann kommt Spitzenreiter ETSV an den „Loki“. Im Anschluss folgen Duelle mit Teutonia, Halstenbek und Paloma. Danach wird man wissen, ob man in Eimsbüttel das Murmeltier in Sachen Ergebnisse aussperren darf.

Can Schultz und der Eimsbütteler TV gehen als Verfolger in die Rückrunde. (Foto: Lobeca/Homburg)

Platz 1: ETSV

Souverän kam der ETSV in die Winterpause, hat Vorsprung und zwei machbare Nachholspiele gegenüber der Konkurrenz in der Hinterhand. Es lief einfach – bis Weihnachten die Nachricht vom Tod des Kapitäns Sebastian Hertner die Eisenbahner ereilte und Fußball zur Nebensache machte. Und die Frage muss (leider) gestellt werden, welche Spuren dies in der Mannschaft hinterlassen hat. Diese hat sich zwar zum Ziel gesetzt, den Titel für ihren Kapitän zu holen, will daraus neue Kraft generieren. Ob dies gelingt, werden die kommenden Wochen zeigen müssen. Die Vorbereitung jedenfalls war stark: nach einer Niederlage bei Regionalligist VfB Lübeck (4:2) folgten drei Siege, darunter ein 6:2 über Altona 93 und ein 6:1 gegen Teutonia. Von dieser Seite ist der ETSV gewappnet für den schweren Pflichtspielstart. Denn die Eisenbahn empfängt erst Billstedt, muss dann zum Schlager beim ETV und zu Süderelbe, ehe es dann mit dem Pokalspiel gegen Norderstedt weiter geht. Sollte der ETSV aus diesen Spielen halbwegs schadlos wegkommen, dürfte der Titel wohl nur noch theoretisch zu nehmen sein. Um das große Ziel zu erreichen, hat man am Mittleren Landweg nochmal nachgelegt. Gekommen sind Keeper Dave Ceesay (Eintracht Norderstedt), Luis Jahraus (FC St. Pauli II) und Ex-Cordi-Torjäger Muhamed Ajruli (Holstein Kiel II). Gegangen sind Finn Fenske, Ede Zimmermann (beide Nikola Tesla) und Jan-Philipp Schulz (SC Imst/Österreich).