Es war ein stimmungsvoller Mittag an der Hoheluft mit einem eindeutigen Sieger: vor ausverkauftem Haus holte sich der Hamburg Eimsbütteler Ballspiel-Club den Hamburger Landespokal. Die Veilchen gewannen das Endspiel im Rahmen des Finaltags der Amateure gegen Vorwärts-Wacker Billstedt mit 5:1 (2:0). Im zweiten Finale der Vereinsgeschichte war es der erste Sieg für den HEBC. Die Männer des Tages aus Sicht des neuen Hamburger Pokalsiegers waren Doppeltorschütze Michele Scalzi und Doppelvorlagengeber Hammed Nawaz.
Stegemann eröffnet den Reigen
SCVW-Präsident Carsten Kober hatte im Vorgespräch gemutmaßt, dass das erste Tor der Partie ein Fingerzeig sein könnte. Und so war es hier: mit der ersten Aktion ging der HEBC in Führung. Lemke zog eine Ecke weit auf den zweiten Pfosten, Majewski im Wacker-Tor klebte auf der Linie und Julius Stegemann springt gefühlt zwei Stockwerke höher als gleich zwei Gegenspieler – 1:0 in der siebten Minute, sehr zur Freude des großen, weißen Anhangs vom Reinmüller. In der Folge brachten weitere Hereingaben Gefahr, ohne aber wirklich zwingend zu werden.

Bei Billstedt geht nichts – Scalzi erhöht
Im Anschluss verflachte die Partie vor 4650 Zuschauern. Der HEBC zog sich zurück, machte die Räume. Vorwärts-Wacker fiel nichts ein, Torgefahr gab es praktisch keine. So war die Stimmung auf den Rängen das Prickelnste über weite Strecken der ersten Halbzeit. Vor allem der Anhang der Veilchen sorgte für echte Pokalatmosphäre.
Erst kurz vor der Pause nahm die Partie nochmal Fahrt auf. Erst gab es eine halbe Gelegenheit für Billstedt, als Netzbandt von der Strafraumgrenze den Ball fast auf den Lokstedter Steindamm schoss. Und wenig später erhöhte der HEBC. Lemke nutzte einen kapitalen Bock von Fernandes zu einem weiten Ball auf Köhler. Dieser ging ins Eins-gegen-Eins, wurde dann vom völlig indisponierten Cone gefällt – Schiedsrichter Bauer zögerte nicht und zeigte auf den Punkt. Michele Scalzi übernahm die Verantwortung, verlud Majewski und erhöhte zum 2:0-Halbzeitstand (44.).

Scalzi mit der Vorentscheidung – Vorwärts-Wacker kämpft
SCVW-Coach Taytanli reagierte mit einem Dreifachwechsel zur Pause. Unter anderem kam Wiedemann, der gut zehn Minuten nach seiner Einwechslung die große Chance auf den Anschluss hatte. Doch HEBC-Keeper Schoon blieb im direkten Duell Sieger, verhinderte so die Spannung. Offensiv schien Vorwärts-Wacker nun drin zu sein – doch defensiv blieb es fragwürdig.
Von Lemke und Nawaz eingeleitet fuhrt der HEBC einen Konter, an dessen Ende Nawaz im Strafraum auf Scalzi ablegte. Dieser schoss den Ball vom rechten Strafraum eng mit der rechten Innenseite flach ins lange Eck zum 3:0 (58.). Erschreckend: gleich fünf Billstedter Verteidiger gaben den beiden weißen Akteuren nur Geleitschutz.
Immerhin: Vorwärts-Wacker kämpfte. Zwar hatte man Glück, als ein Treffer von Verago wegen einer knappen Abseitsstellung nicht gegeben wurde (64.). Doch offensiv war der Auftritt des SCVW verbessert und wurde belohnt. Oliver Doege setzte sich im Strafraum gegen Stegemann durch und nagelte die Pille zum 1:3-Anschluss unter die Latte (67.).

Doppelschlag in der Nachspielzeit
Und Billstedt setzte nach: Netzbandt nahm Maß, traf von der Strafraumgrenze aber nur die Latte (76.), wenig später wird Sejdija geblockt (84.). Doch insgesamt fehlte es Vorwärts-Wacker an Durchschlagskraft und Ideen, obwohl der HEBC teilweise platt. Und so kam es in der Nachspielzeit, wie es kommen musste.
Der von Krämpfen geplagte Nawaz eroberte im Mittelfeld den Ball und hatte nur noch freies Feld und Keeper Majewski vor sich, aber zwei Mitspieler neben sich. Uneigennützig legte er quer und Moses Magens machte mit dem 4:1 den Deckel drauf (90.+1). Und die Ekstase beim HEBC-Anhang wurde nochmals befeuert: Schick setzte sich gegen drei Billstedter durch, die sich einfach aufgaben, und flankte flach in den Fuß von Christopher Grünewald. Dieser blieb eiskalt und machte mit dem 5:1 alles klar. (90.+4).
Der HSV kann kommen
„Unwirklich“ fühle sich der Erfolg an bekannte HEBC-Coach Philipp Obloch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Sensationell, wie viele von den alteingessenen HEBClern mit Tränen in den Augen auf mich zu kamen, zeigt auch, wie viel Bedeutung für ganz viele Menschen da drauf ist. Der Abschluss ist eine zehn von zehn.“
SCVW-Coach Ümit Taytanli zeigte sich als fairer Verlierer: „Meinen Glückwunsch an den HEBC. Die Enttäuschung ist groß. Jeder wollte das Finale und den Pokal gewinnen. Am Ende ist es auch egal, wie hoch du das Spiel verlierst.“
Für den HEBC geht es damit erstmals seit 1935 in den DFB-Pokal. Vor 91 Jahren unterlag man im damaligen Tschammer-Pokal dem Lokalrivalen ETV mit 0:7. Ob nun der Gedanke an Bayern kommt? Philipp Obloch wünscht sich ein Derby. „Jetzt wünsche ich mir den HSV“, äußerte er seinen Wunsch für die 1. DFB-Pokal-Runde 2026/27 gegenüber der Sportschau. Aber unabhängig vom Gegner (Auslosung am 6. Juni) freut man sich am Reinmüller auf ein Duell mit den Profis und auf einen warmen Geldregen. Mindestens 200000 Euro wird es für die Veilchen in der 1. Runde geben.