Offiziell sind es noch zwei Spieltage, hinzu kommen die zahlreichen Nachholspiele. Aber man kann sagen: die Oberliga Hamburg ist auf der Zielgeraden. Oben erfreut man sich an einem spannenden Meisterschaftsduell mit Vorteilen für den ETSV, während unten alles entschieden scheint. Zwei Absteiger stehen fest, der FC Türkiye benötigt bei neun Zählern Rückstand und noch vier Spielen ein Fußballwunder. Doch Obacht: die Zahl der Absteiger kann sich im schlechtesten Fall um zwei weitere erhöhen. Daher ist ab Platz neun aktuell Zittern angesagt.
Das Zünglein an der Waage: die Regionalliga
Das Problem aus Sicht der Oberligisten ist, dass noch unklar ist, wie viele Teams aus der Regionalliga den Weg in die Oberliga finden. Denn mit Eintracht Norderstedt, der U23 des FC St. Pauli und Altona 93 stehen gleich drei Teams auf den letzten vier Plätzen. Aktuell wäre Norderstedt (31 Spiele/26 Punkte) gerettet, St. Pauli (30/22) und Altona (30/22) müssten runter. Und man muss kein großer Prophet sein, dass es bei mindestens zwei Absteigern in die Oberliga Hamburg bleibt. Ein dritter ist zumindest noch möglich
Das bedeutet für die Oberliga konkret, dass sich die Anzahl der Absteiger in die Landesliga erhöhen könnte. Sollten gar alle drei HFV-Vertreter aus der vierten Liga runter müssen, wird sich die Anzahl erhöhen. Vor allem, wenn der Hamburger Vertreter in der Aufstiegsrunde in die vierte Liga nicht aufsteigt. Folgende Szenarien sind möglich:
– Zwei Absteiger aus und ein Aufsteiger in die Regionalliga führen zu drei Absteigern in die Landesliga.
– Zwei Absteiger aus und kein Aufsteiger in die Regionalliga führen zu vier Absteigern in die Landesliga.
– Drei Absteiger aus und ein Aufsteiger in die Regionalliga führen zu vier Absteigern in die Landesliga.
– Drei Absteiger aus und kein Aufsteiger in die Regionalliga führen zu fünf Absteigern in die Landesliga.
Sicher ist: aus der Landesliga werden nur die beiden Staffelsieger den Weg in die Oberliga antreten können. Und in der Oberliga müssen alle ab Platz neun gucken.

Straffes Restprogramm: FC Süderelbe – 29 Spiele, 39 Punkte, +3
Und so schwebt der FC Süderelbe weiter in Gefahr, auch wenn es wohl nur realistisch wird, wenn es tatsächlich der Regionalliga-Absteiger geben sollte. Die 49ers verpassten in den letzten drei Wochen den womöglich entscheidenden Schritt. Zwar hat man den Vorteil von zwei Spielen als manche Konkurrenten, doch das Restprogramm hat es in sich. Süderelbe muss noch zu Teutonia, Paloma und Victoria, empfängt den HEBC und Vorwärts-Wacker. Ein Sieg sollte es mindestens sein.

Machbares Restprogramm: TuRa Harksheide – 31 Spiele, 39 Punkte, -32
Es ist ein knapper Monat her, da sah die TuRa aus wie ein Absteiger – mit 0:11 unterlag man beim ETSV. Doch der April verlief gut, drei von vier Spielen wurden gewonnen, zuletzt gelang gar ein Dreier in Dassendorf (1:0). Nun hat es die Mannschaft von Jörg Schwarzer selbst in der Hand. Denn das Restprogramm ist machbar. Es geht gegen die Absteiger Halstenbek und Curslack sowie gegen Aufsteiger HT 16, für den es um nicht mehr viel geht. Da sollten die benötigten Punkte durchaus machbar sein.

Schwerer geht immer: HEBC – 31 Spiele, 38 Punkte, -12
Mindestens einen Matchball hätte der HEBC in den letzten beiden Wochen verwandeln müssen, dann könnte man sich am Reinmüller wohl auf das Pokalfinale konzentrieren. Doch sowohl in Harksheide (1:2) wie auch gegen Nikola Tesla (2:3) konnte man nicht punkten und so ist die Euphorie nach dem Finaleinzug und einem insgesamt starken Jahr 2026 erst einmal verflogen. Und beim Blick auf das Restprogramm wird man sicherlich nicht jubeln: erst muss man zu Süderelbe, dann duelliert man sich mit dem ETSV und Dassendorf. Viel schwerer geht es nicht und daher geht das Zittern weiter.

Zeichen noch rechtzeitig erkannt: Niendorfer TSV – 28 Spiele, 38 Punkte, +14
Wahrscheinlich noch rechtzeitig hat man beim Niendorfer TSV die Zeichen der Zeit erkannt. In den letzten acht Spielen gelangen der Mannschaft von Ali Farhadi immerhin 14 Punkte bei nur zwei Niederlagen gegen Dassendorf und den ETV. Und so hat man am Sachsenweg alles in der eigenen Hand, auch dank des exzellenten Torverhältnisses. Doch man sollte tunlichst vermeiden, in der zweiten Halbzeit einzubrechen – zu oft musste der NTSV sicher geglaubte Punkte abgeben, wie zuletzt in Süderelbe als ein 3:0 nicht reichte. Das Restprogramm ist machbar. Zwar geht es für Niendorf sowohl zum ETSV wie auch zu Victoria. Doch mit Buchholz, Teutonia, Vorwärts-Wacker und Halstenbek hat man auch deutlich machbarere Aufgaben vor der Brust.

Starkes Jahr: Buchholz 08 – 28 Spiele, 37 Punkte, +9
Sieben Siege, drei Niederlagen – die Bilanz von Buchholz 08 liest sich für 2026 wie das eines Spitzenteams. Zum Vergleich: Meisterschaftsfavorit ETSV gewann ebenfalls nur sieben Spiele, Spitzenreiter ETV lediglich eins mehr. Und doch steckt Buchholz weiter unten drin. Das hat natürlich mit der schwachen Ausbeute der ersten Saisonhälfte zu tun, aber auch damit, dass die 08er bisher kaum Nachholspiele hatten. Einfach ist das Restprogramm nicht, nicht nur man innerhalb von 16 Tagen sechsmal ran muss. Zweimal kreuzt man die Klingen mit dem ETSV, dazu gibt es ein Duell mit Paloma und Teutonia und noch Spiele gegen die direkten Konkurrenten aus Niendorf und Billstedt. Vorteil für die 08er: fünfmal darf man auf heimischem Platz ran.

Kein Kader für den Abstiegskampf – Vorwärts-Wacker Billstedt, 29 Spiele, 37 Punkte, -14
Eigentlich müsste am Öjendorfer Weg Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Mit dem Pokalfinale hat Vorwärts-Wacker einen Meilenstein erreicht. Wäre da nicht die Liga – und da ist die Lage gerade alles andere als rosig. Nur ein Sieg in den letzten fünf Spiele, Absturz auf Platz 14. Statt Vorfreude ist nun Abstiegsangst beim SCVW eingekehrt. Und das mit einem Kader, der eigentlich nicht dafür gemacht ist. Denn die zahlreichen Neuverpflichtungen vor der Saison waren dazu gedacht, die obere Tabellenhälfte unsicher zu machen. Doch es hilft nichts: irgendwie muss man in Billstedt die Kurve kriegen, sonst bringt einem der größte Pokalerfolg nur bedingt etwas. Das Restprogramm ist nicht einfach: fünf Spiele gibt es noch, auswärts muss Vorwärts-Wacker in Buchholz, Niendorf und Süderelbe antreten. Zu Hause geht es gegen den FC Türkiye und den ETV.
Das Unmögliche möglich machen – Nikola Tesla, 31 Spiele, 34 Punkte, -27
Eine alte Prämisse für Aufsteiger ist: du musst deine Heimspiele gewinnen. Und genau das hat Nikola Tesla in dieser Saison nicht getan. Nur 15 Punkte sammelte der serbische Club auf heimischem Geläuf, zu wenig eigentlich, um die Klasse zu halten. Aber auswärts ist es besser und vielleicht ist es ganz gut, dass zwei der drei verbleibenden Spiele auf fremdem Platz stattfinden. Bei Teutonia und in Curslack kann man durchaus punkten. Dazwischen liegt noch ein Heimspiel gegen Dassendorf. Im Grunde ist der 15. Platz zementiert – dass Türkiye das Fußballwunder verbringt und in den verbleibenden Spielen (vier für die Wilhelmsburger) neun Punkte und 15 Tore aufholt, erscheint unwahrscheinlich. Und dass man angesichts der zahlreichen Nachholspiele der Konkurrenz noch einen oder gar zwei Plätze nach oben springt, dürfte eine ähnliche Wahrscheinlichkeit haben.
Prognose: Platz 14 und 15 bleiben so wie sie sind
Dennoch: kann in den letzten Wochen bis zum Abschluss am 15. Mai noch viel passieren. Doch wird es so sein? Unser Redaktionstipp: nein, die Plätze 14 und 15 bleiben unverändert. Vorwärts-Wacker Billstedt wird auf Platz 14 einlaufen. Das Restprogramm ist zwar machbar, doch Buchholz, Niendorf und Süderelbe haben in den letzten Wochen einen deutlich besseren Eindruck hinterlassen. Gegen Türkiye wird man wohl gewinnen, was dann reichen dürfte, um Platz 14 zu sichern. Nikola Tesla wird zwar sechs von neun Punkten holen, doch den großen Unterschied im Torverhältnis gegenüber dem SCVW wird man nicht mehr aufholen.
Und dann heißt es abwarten – dass es nicht drei Hamburger Absteiger gibt und dass der Teilnehmer an der Aufstiegsrunde (entweder ETV oder Dassendorf) den Sprung in Liga vier schafft. Das Zittern geht zumindest bei den beiden Clubs bis weit nach Saisonende weiter.